Francisceumsstiftung

Über die Stiftung

Die Francisceumsstiftung // Geschichte der Stiftung // Organisation

Die Francisceumsstiftung

Die Francisceumsstiftung ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie wurde 1996 auf Initiative der Schulleitung des Gymnasiums Francisceum Zerbst gegründet. Das finanzielle Grundkapital wurde durch eine 3-jährige Spendensammlung aufgebracht. Insbesondere Absolventen der Schule haben durch ihre Spenden die Gründung der Stiftung ermöglicht.

Die Stifter
Dr. Hans-Eberhard Schmaling
Frau Regina Albrecht
Herr Günther Speidel

Aus der Erinnerung wie ich Frau Albrecht kennen gelernt habe:

Frau Albrecht war eine bodenständige und warmherzige Frau, stets gut gelaunt und immer positiv denkend. Sie hat sich ihrer Heimatstadt und ihrer Wurzeln sehr verbunden gefühlt. Zu helfen war für sie selbstverständlich – aber immer still und ohne großes Aufsehen.

So denke ich, waren auch ihre Beweggründe als Stiftungsgründerin zu agieren. Es war ihre Schule, der sie sich nicht nur der Erinnerung wegen verbunden fühlte, sondern auch die Notwendigkeit erkannt hat, für die Zukunft Schule nicht nur Schule sein zu lassen, sondern auf die historischen Wurzeln zurückzugreifen und dem Francisceum dafür das „Gerüstzeug“ mitzugeben, was dem humanistischen Auftrag gerecht wird. Die Tätigkeitsfelder, die die Stiftung sich zum Inhalt gemacht hat, gibt mir die Antwort auf ihre Entscheidung von 1996.

Ihr Lebenslauf:

Am 30.01.1938 wurde sie in Zerbst geboren, sie besuchte ab der 1. Klasse die damalige Schule auf der Schlossfreiheit und anschließend das Francisceum bis zum Abitur. Sie lernte bei der Sparkasse Zerbst und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung 2003 – zuletzt 13 Jahre als Vorstand – bei der Kreissparkasse Anhalt-Zerbst. Am 28. September ist sie nach kurzer schwerer Krankheit verstorben.

Silke Hövelmann
Zerbst, im April 2010

Geschichte der Francisceumsstiftung

Francisceum als Baudenkmal

Die ehemals bedeutende Stadt Zerbst besaß bis zur Reformation drei Klöster. In das Franciskanerkloster zog nach seiner Schließung eine Lateinschule ein. Als Überbau dieser Schule, die fortbestand, gründete das Fürstenhaus Anhalt 1582 eine reformierte Hochschule, das Gymnasium illustre. Es wurde ebenfalls in den Räumen des Klosters untergebracht und bestand bis 1797. Nachdem das Gymnasium illustre geschlossen und die Klosterkirche zum Unterrichtsgebäude umgebaut worden war, entwickelte sich die Schule zu einem humanistischen Gymnasium. Sie trägt den Namen nach Fürst Franz von Dessau, der die neue Entwicklung nach 1797 eingeleitet hatte. Das Kloster ist in seiner baulichen Substanz erhalten. Das Francisceum als Baudenkmal ist ein Anziehungspunkt für Touristen. Berühmt sind die Kreuzgänge im Erdgeschoß, die Aula im ehemaligen Chor der Klosterkirche, der historische Teil der Bibliothek (mit 42000 Bänden) und die gotisch stilisierten Flure.

Die kurze Geschichte der neuen Francisceumsstiftung

Dargestellt wird der Zeitraum von der Entstehung der Stiftung bis etwa Ende 2000, dem Zeitpunkt, zu dem der Autor, Herr Walter Tharan, die Geschäftsführung an Frau Schimmel abgegeben hat. In das Barfüßerkloster am Weinberg wurde als Folge der Reformation bereits 1532 die städtische Lateinschule verlegt, sie bestand bis 1803. Der zum reformierten Glauben übergetretene Fürst Joachim Ernst gründete 1582 - ebenfalls im Kloster - das Gymnasium illustre als dritte reformierte Universität in Deutschland mit vier Fakultäten, sie wurde 1797 geschlossen. Nach einer gründlichen Restaurierung und baulichen Umgestaltung durch den Dessauer Fürsten Franz bis 1803 erhielt die Schule den Status eines Gymnasiums und später den Namen Francisceum. Bereits zu dieser Zeit existierten Stiftungen, deren Zahl sich später noch vermehrte. Sie sollten die in dem Gebäudekomplex befindlichen Bildungsstätten sowie deren Schüler fördern, am bekanntesten die 1597 durch Testament begründete Stiftung des Hofrates Bernhard v. Hanffstengel. Zum 100jährigen Jubiläum des Francisceums 1903 wurden alle diese Stiftungen zusammengefasst zu der Hanffstengelschen Säkularstiftung des Francisceums mit einem 1922 auf 43 170 Mark festgestellten Vermögen. In der frühen DDR beschloss 1954 der Stadtrat ihre Auflösung mit einer Wertfeststellung von 32 000 Mark der DDR. Doch wurde dieser Beschluss nicht vollzogen und die Schulleitung verfügte weiterhin in jedem Jahr über einen kleinen Betrag zur freien Verwendung. Erst von 1984 findet sich ein Papier, dass die Auflösung per Verordnung (von wem?) bekundet. Die Schule erhielt 6 000 Mark und kaufte sich Möbel für das Lehrerzimmer. Im Jahre 1991 nach dem Ende der DDR wurde die EOS „Albert Kuntz“ neu strukturiert und erhielt später als Gymnasium seinen alten Namen wieder. Es wuchs und wuchs, bald hatte es 50 Klassen mit 1140 Schülern. Mit der Rückbesinnung auf die lange Geschichte der Schule traten die alten Stiftungen wieder ins Blickfeld. Bei dem Selbstverständnis des Francisceums als kulturelles Zentrum von Stadt und Region kommt dem Bereich neben der Lehrtätigkeit im Unterricht, der außerunterrichtlichen Tätigkeit, eine besondere Bedeutung zu. Obwohl letztere auch zum schulischen Aufgabenfeld gehört, war der Schulträger nicht in der Pflicht, nur sehr begrenzt gewillt und auch nicht in der Lage, die hierfür nötigen materiellen Bedingungen zu gewährleisten. Zudem war der Aufwand unzumutbar, mit dem seitens der Schule um die Finanzierung der einzelnen Projekte gerungen werden musste. Es war auch nicht denkbar, diese Aufgaben auf den Förderkreis zu übertragen, da die Schulleitung für Umfang und Inhalt der außerunterrichtlichen als Bestandteil aller schulischen Aktivitäten verantwortlich war. Es konnte also nicht sein, dass ein Gremium des Fördervereins, der vor allem aus ehemaligen Schülern (Francisceern) der Schule besteht, über die Einrichtung und Finanzierung einer Arbeitsgemeinschaft zu befinden hatte. Dagegen bietet eine schulische Stiftung mit strikter Zweckbindung sehr gute Möglichkeiten. Sie kann ihre Vorhaben ohne weitere Genehmigungsverfahren bei dem Schulträger oder den Schulaufsichtsbehörden planen und ihre Mittel dafür einsetzen. Hinzu kommt gegenüber einem Verein die größere Rechtssicherheit ihrer Existenz, folgernd aus den Stiftungsgesetzen. Allerdings wird die satzungsgemäße Tätigkeit einer Stiftung jährlich durch die Stiftungsbehörde geprüft, sie ist also streng an ihre formulierten Zwecke gebunden. Solche Überlegungen führten in der Schulleitung zu einem ersten Versuch, wieder eine Stiftung ins Leben zu rufen. In einem Schreiben an die Stiftungsstelle des Regierungspräsidiums Dessau (Herr Kleinwächter) wurde versucht, die alte Hanffstengelstiftung weiterzuführen. In der Gründungsvorbereitung gab es eine Verteilung der Aufgaben: Dr. Schmaling bemühte sich um die finanzielle Untersetzung des Antrages, er sammelte überall und insbesondere bei ehemaligen Francisceern große und kleine Geldbeträge. Am 14.10.1993 wurde zu diesem Zweck bei der Kreissparkasse Zerbst ein Konto eingerichtet. Tharan kümmerte sich um das Verfahrensrechtliche, die Formulierungen von Stiftungsgeschäft und Satzung, holte vielerlei Genehmigungen ein und führte den stiftungsbehörlichen Schriftverkehr. Das Vorhaben wurde mehrfach in Dienstberatungen des Francisceums diskutiert. Die Meinungen waren geteilt, seitens des Fördervereins befürchtete man eine Einschränkung seiner Bedeutung für die Schule. Da die Aufgabenbereiche und die Möglichkeiten von Förderverein und Stiftung aber sehr verschieden waren, wurden die Bemühungen fortgesetzt. Der schriftliche Antrag zur Erichtung der Stiftung datiert auf den 25.03.1992. Bald danach fuhren Direktor und Stellvertreter nach Dessau zur Stiftungsstelle, um den Antrag abschließend zu beraten. Mit Stolz wiesen sie Belege für einen Grundstock von 10 000 DM vor. Doch der Verlauf der Unterredung war enttäuschend. Die Stiftung konnte den historischen Namen wegen der unsicheren Rechtslage bezüglich der Auflösungsvorgänge von 1954 und 1984 nicht erhalten, also blieb nur der Weg einer Neugründung. Außerdem waren mindestens 50 000 DM zur Errichtung einer Stiftung erforderlich. Man hielt das Vorhaben der Schule für wenig aussichtsreich und ließ das durchblicken. Später (04.04.1995) kam noch ein negativer Bescheid des Finanzamtes bezüglich der vorläufigen Zuerkennung der Gemeinnützigkeit, weil die Festlegung der Stiftungszwecke in der Satzung nicht präzise genug wäre. Der Misserfolg war vollständig. Dr. Schmaling wollte das Unternehmen rat- und mutlos aufgeben. Aber die Satzung ließ sich überarbeiten und der alternativ gewählte Name „Francisceumsstiftung“ brachte zutreffend zum Ausdruck, dass es um eine völlig neu zu schaffende Stiftung mit neuer Zweckbestimmung ging. Also wurde die Geldbeschaffung wieder aufgenommen, es fehlte noch viel. Ein offener Brief an ehemalige Schüler des Francisceums fand ein erfreuliches Echo, es gingen teilweise hohe Beträge ein. Sogar das Regierungspräsidium Dessau, Regierungspräsident Kolbitz war selber Francisceer, steuerte 1000 DM bei. Im April 1996, nach Überarbeitung der Satzung, wurde vom Finanzamt die vorläufige Steuerbefreiung für diese Gelder erteilt, was die Gebefreudigkeit noch steigerte. Das Stiftungsgeschäft vom 19.04.1996 benannte Frau Regina Albrecht, Herrn Günter Speidel und Dr. Schmaling als Stifter, letzterer war zugleich Treuhänder für die vielen gesammelten Gelder. In der Satzung blieben bewusst ausgeschlossen die materiellen Bedingungen für den Unterricht und die Unterhaltung von Schulgebäuden und Grundstücken, also die Pflichtaufgaben des Schulträgers. Zusammen mit der Satzung und vielen Genehmigungen wurde der erneute Antrag zur Errichtung einer Stiftung mit einem Grundkapital von 50 000 DM am 24.05.1996 eingereicht. Schon am 27.06.1996 wurde sie mit einem vorläufigen Bescheid unter dem Namen „Francisceumsstiftung“ durch Urkunde errichtet und als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts in das Verzeichnis Deutscher Stiftungen mit der Nummer DE-11741-023 eingetragen. Dieser Bescheid stand unter dem Vorbehalt, dass der noch fehlende Betrag von 7 566,57 DM bis zum Grundkapital 50 000 DM zeitnah aufzufüllen wäre. Bis dahin war auch die Handlungsfähigkeit der Stiftung stark eingeschränkt, da sie ihre Tätigkeit nur aus zweckgebundenen Spenden finanzieren konnte. Am 05.06.1997 fiel diese Einschränkung weg, das Grundkapital war beisammen. Sofort wurde die Stiftung für das schulische Leben wirksam. Anträge auf Unterstützung von Schülern (bei Klassenfahrten etc.) konnten positiv beschieden werden. Das staatliche Schulamt hatte bemerkt, dass die Schule 1995 einen Wettbewerb „Junge Kunst in Anhalt“ als Bestandteil der jährlichen Zerbster Kulturfesttage ins Leben gerufen hatte, wozu sie aber nicht berechtigt war. Zugelassen sind nur Aktivitäten im Bereich des eigenen Schulträgers, also des Landkreises. Nun übernahm die Stiftung die Trägerschaft des Wettbewerbs, sie unterlag solchen Einschränkungen nicht. Die Reihe der Wettbewerbe „Junge Kunst in Anhalt“ wurde seitdem fortgesetzt und zum traditionellen Bestandteil der Zerbster Kulturfesttage. Das Francisceum hatte in den Vorjahren an Treffen der Traditonsschulen Ostdeutschlands teilgenommen (Latina Halle, Helmholtzgymnasium Potsdam). Das Treffen 1998 sollte nun im Francisceum Zerbst stattfinden, die Stiftung übernahm die Ausrichtung. Es wurde ein großer Erfolg. Elf alte und renommierte Gymnasien haben an diesem zweitägigen Kulturfest am 23. und 24. April teilgenommen und boten gehaltvolle Programme mit Chor, Instrumentalmusik, Theater, Tanz und Kabarett dar. Und nicht wenige Teilnehmer bezeichneten das Francisceum mit seinem Umfeld als die schönste der ihnen bekannten Schulen. Die Francisceumsstiftung nahm eine Einladung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen an und beteiligte sich im Herbst 1998 an einer repräsentativen Ausstellung Deutscher Stiftungen, die zuerst im Landtagsgebäude von Sachsen-Anhalt erfolgen sollte. Einige der damals entstandenen Bildtafeln hängen heute noch in einem Korridor des Francisceums. Es gelang, unsere Stiftung beim Aufbau der Ausstellung hervorragend zu platzieren. An der großen Eröffnungsveranstaltung nahmen Schulleiter Schmaling für das Kuratorium und sein Stellvertreter Tharan als Stiftungsvorstand teil. Zunächst präsentierten sich die milliardenschweren Großstiftungen, wie Bundesstiftung Umwelt oder Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Als sich die Möglichkeit auch für andere Stiftungen ergab, zu ihrer Aufgabenstellung, ihren Aktivitäten und ihrer finanziellen Grundlage zu sprechen, schlug ich Dr. Schmaling vor, sich zu melden. Er hielt das aber angesichts unserer mühsam zusammengebrachten 50 000 DM für nicht angemessen. Also meldete ich mich und erhielt tatsächlich das Wort. Ein freundlicher Beifall am Ende war der Lohn für den dreisten Stiftungszwerg. Doch, wie sich herausstellte, war unser Beitrag gar nicht so unbedeutend. Weit und breit war sie die erste unter vielen neuen Stiftungen nach der Wende, die ausschließlich durch private Initiative und ohne einen Großmäzen oder öffentliche Mittel entstanden war. Anfang 1999 ging die Ausstellung mit unseren Exponaten nach Dessau. Vielfältig waren die kleineren Projekte der Stiftung im Rahmen ihrer Satzung, insbesondere zu erwähnen die Unterstützung bedürftiger Schüler bei der Finanzierung von Klassenunternehmungen. Im Jahr 1998 betrugen die Ausgaben insgesamt 18 180 DM. Mit dem 01.01.2000 trat der bisherige Vorstand Walter Tharan von seiner Funktion zurück. Seine Nachfolgerin als stellvertretende Schulleiterin, Frau Veronika Schimmel, übernahm auch diese Funktion.

Walter Tharan
Zerbst, im Januar 2010

Die Stiftung wird entsprechend ihrer Satzung von einem 4 köpfigen Kuratorium verwaltet, das einen Geschäftsführer bestellt. Die Tätigkeit der Stiftung erstreckt sich auf drei Gebiete:

1.

Förderung der außerunterrichtlichen Tätigkeiten (Projekte) am Francisceum Zerbst

2.

Finanzielle Unterstützung für bedürftige Schüler, denen dadurch die Teilnahme an schulischen Fahrten und Veranstaltungen ermöglicht wird.

3.

Finanzierung von Auszeichnungen und Preisen, die für Tätigkeiten innerhalb und außerhalb des Unterrichts (z.B. Wettbewerbe) vergeben werden.

Organisation

Geschäftsführer: V. Schimmel (Kontakt)
Kuratorium:

Junge Kunst in Anhalt

Rock 'n Ruin

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